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So schneidet Mikromobilität bei den Nutzer*innen ab

Im Rahmen des Integrationsseminars „Mikromobilität – Innovationen in Institutionen“ analysierten Studierende des Studiengangs BWL mit der Studienrichtung Industrie Schwerpunkt Industrielles Servicemanagement der DHBW Stuttgart unterschiedliche Akzeptanz- und Nutzungsfaktoren von institutionsinternen Mikromobilitätslösungen.

Im Reallabor Mikromobilität „DHBW Drive“ wird ein stationsbasiertes Prinzip umgesetzt, in dem E-Scooter an über GPS-definierten Stationen ausgeliehen und wieder abgegeben werden können. Im Unterschied zu öffentlichen Lösungen ist der Service nur Angehörigen eines definierten Organisationskreises, in diesem Fall Angehörigen der DHBW, zugänglich.

Doch wie wird ein solches institutionsinternes Mobilitätskonzept von den Nutzer*innen wahrgenommen und wie wird es genutzt? Und wie bewerten potenzielle Nutzer*innen eine solche Lösung? Dieser Frage gingen die Studierenden in einer Online-Umfrage mit etwa 500 aktuellen Nutzer*innen des DHBW Drive Angebots und über 1.000 externen Teilnehmenden und potenziellen Nutzer*innen nach:

Ein erstes ernüchterndes Ergebnis: Lediglich 29 Prozent der externen Befragten haben bereits vereinzelt oder häufiger Lösungen für Mikromobilität genutzt, die restlichen 71 Prozent kennen solche Lösungen, aber haben diese noch nicht genutzt. Umso überraschender ist es, dass 71,7 Prozent der extern Befragten eine institutionsinterne Lösung für Mikromobilität nutzen würden. Hierbei wurden insbesondere der erwartete ökologische Nutzen (81,8 %) und der erwartete „Spaßfaktor“ (81,3%) als Gründe genannt. Hingegen wurde der praktische Nutzen (46,2%) und der ökonomische Nutzen (34,9%) eher als gering eingeschätzt. Zudem gaben 27,0 Prozent der extern Befragten an, dass ihnen eine solche Lösung helfen würde, ihren täglichen Arbeitsalltag besser zu gestalten. 60,7 Prozent der Befragten äußerten aber auch Bedenken hinsichtlich des Datenschutzes.

Im Vergleich zu den Bewertungen der Nutzer*innen des DHBW Drive Angebots zeigte sich ein hoch bis höchst signifikanter Unterschied mit teilweisen starken Effekten: die Befähigung im Arbeitsalltag wurde mit 75,3 Prozent deutlich höher, Datenschutzbedenken mit 20,5 Prozent hingegen deutlich niedriger im Vergleich zur Gruppe der extern Befragten eingeschätzt. Diese Unterschiede zeigten sich auch bei den Nutzenbewertungen: 99,5 Prozent gaben an, dass die Nutzung der DHBW-Scooter Spaß macht, 92,3 Prozent sehen einen praktischen und 55,7 Prozent einen ökonomischen Nutzen.

Doch woher kommen die Unterschiede? Prof. Dr. Marc Kuhn, Studiengangsleiter und Leiter der Studie, verweist auf eine simple Erklärung: „Wir konnten statistisch nachweisen, dass institutionsinterne Lösungen für Mikromobilität von tatsächlichen Nutzer*innen im Vergleich zu potenziellen Nutzer*innen besser beurteilt werden. Das bedeutet, dass über die faktische Nutzungserfahrung eine höhere Nutzeneinschätzung und geringe Bedenken zu erwarten sind. Sprich, um das Potenzial solcher Lösungen in Zukunft voll auszuschöpfen, müssen Skeptiker zum Testen bewegt werden.“

Alle Ergebnisse der lehrintegrierten Forschungsstudie werden voraussichtlich am 24. Juni 2021 im Rahmen des 11. ZEF-Forschungskolloquiums der DHBW Stuttgart, welches als Online-Veranstaltung durchgeführt wird, präsentiert.

Nutzer leiht mithilfe seines Smartphones einen E-Scooter aus. Ein Kartenausschnitt zeigt einen der E-Scooter-Standorte auf.