Ringvorlesung: Aktuelle Perspektiven auf Soziale Arbeit
Die Ringvorlesung ergänzt das Studium der Sozialen Arbeit durch neue Perspektiven. Eingeladen sind Studierende und Lehrende der DHBW Stuttgart und anderer Hochschulen sowie Kolleginnen und Kollegen aus der Praxis - . Alle Veranstaltungen finden im Rosenberg Saal der DHBW-Stuttgart statt. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.
“Wie sind jetzt hier” - Film und Diskussion
Mittwoch, 4.2.2026, 17:00 Uhr - 18:30 Uhr
mit Regisseur Niklas-Wurmb Seidel und Protagonist Hussein Al Ibrahim
Als 2015 mehr als 800.000 Geflüchtete nach Deutschland kamen, wurden junge Männer, die alleine geflohen waren, im öffentlichen Diskurs meist besonders negativ besprochen. Zugleich wurde viel häufiger über sie gesprochen als mit ihnen – und da setzt dieser Film an. Sieben junge Männer, geflohen aus dem Irak, aus Syrien, Afghanistan, Eritrea und Somalia, erzählen in die Kamera von ihrem Ankommen in Deutschland – von lustigen und beglückenden Momenten und von Momenten tiefster Verzweiflung, von ihren Ängsten und wie sie mit ihnen umgegangen sind, von Rassismus und von der Liebe. Ihre Geschichten illustrieren die emotionalen Turbulenzen, die eine Flucht fast immer nach sich zieht und sie erzählen zugleich auch etwas darüber, was eine Aufnahmegesellschaft beitragen könnte, damit Integration gelingt.
Der Diskurs zu Migration hat sich spätestens seit dem Wahlkampf 2025 so zugespitzt, dass wir bisweilen vergessen, dass ein anderes politisches Gespräch möglich ist: Eines, bei dem wir nicht auf Abschottung, Härte und Abschiebungen fokussieren, sondern als Gesellschaft konstruktiv fragen: Wie verbessern wir die Bedingungen für die 3,5 Millionen Menschen mit Fluchtgeschichte, die seit 2015 neu nach Deutschland kamen – und die in absehbarer Zeit auch nirgends hingehen? Wo finden sich die tiefhängenden Früchte bei der Integration, wie bspw. lassen sich Sammelunterkünfte abschaffen und der Zugang zu Schulen, Sprachkursen und Arbeit verbessern?
Nach dem Film ist Hussein Al Ibrahim zum Gespräch vor Ort, einer der Protagonisten des Films, zusammen mit Niklas Wurmb-Seibel, der den Film zusammen mit seiner Partnerin Ronja Wurmb-Seibel produziert hat. Die Filmemacher waren erst die Fluchthelfer und fünf Jahre lang die Pflegeeltern für einen der Protagonisten aus dem Film, den sie von ihrer Arbeit in Afghanistan kannten.
Völkische Erlebniswelten. Die alte und die neue Faszination rechtsextremer Jugendkulturen
Dienstag, 24.2.2026, 17:00 Uhr - 18:30 Uhr
Dr. André Postert, Historiker und Mitarbeiter im Brandenburger Innenministerium
In den letzten Jahren haben sich neue rechtsextremistische Jugendgruppen formiert, die in sozialen Medien mit bemerkenswertem Selbstbewusstsein auftreten. „Die Jugend ist nicht links, sie sucht Identität, Sicherheit und eine Stimme gegen das Establishment“, erklärte der identitäre Aktivist Martin Sellner 2024. Wissenschaftliche Studien scheinen diesen Eindruck zu untermauern: Die jüngste Generation zeigt teils deutlich konservativere Einstellungen, auch davon vermag die extreme Rechte zu profitieren.
Rechtsextremismus nährt sich nicht allein aus Ängsten, Enttäuschung oder Protest. Dr. André Postert, Historiker und Mitarbeiter im Brandenburger Innenministerium, bietet Einblicke in rechte Gegenkulturen. Diese reichen von völkischer Mode über politische Literatur bis hin zu subversiver Freizeitgestaltung und Musik. Was steckt hinter dem „Kulturkampf von rechts“? Postert beleuchtet die Mechanismen rechtsextremer Szenen und zieht historische Parallelen bis in die 1920er-Jahre.
Vergangene Veranstaltungen
Mittwoch, 24.07.2024, 15:00 – 16:30 Uhr
Konfliktorientierte geschlechtertheoretische Perspektiven auf Theorie und Praxis Sozialer Arbeit
Maria Bitzan, Hochschule Esslingen (i.R.) und Tübinger Institut für gender- und diversitätsbewusste Sozialforschung und Praxis (tifs) e.V.
Im Vortrag geht es um Feministische Theorie und Praxis Sozialer Arbeit, Alltagstheorie und Feminismus sowie damit im Zusammenhang eine grundlegende konfliktorientierte Perspektive als theoretische Orientierung und Praxisorientierung. An einem Fallbeispiel werden wichtige Konfliktdimensionen und fachlich notwendige Kompetenzen erarbeitet.
Donnerstag, 28.11.2024, 09:00 – 10:00 Uhr, online in englischer Sprache
Giving voice to those who use social work services. Lessons and implications for practice.
Viv Cree (University of Edinburgh) & Bob Mac Kenzie (University of Chichester)
Over the last three years, Viv Cree has been working closely with Professor Bob MacKenzie on a historical study of unmarried mothers and their children between the 1940s and 1960s in Edinburgh, Scotland's capital city. What is unusual about this research is that Viv is a former social worker and Bob a former client of the agency that is the setting of their case study. In this session, Viv and Bob will share a conversation about their work together, exploring the high points and also the challenges they have faced along the way. They will then encourage students to think about what lessons are to be learned from this for their own practice.
Donnerstag, 12.12.2024, 15.00-16:30 Uhr wird auf den 11.3.2025, 18:30 Uhr verschoben
Die Straße im Kopf
Dominik Bloh, Hamburg
In eindringlicher, markanter Sprache erzählt Dominik Bloh, wie sich sein Leben seit seinem Bestseller „Unter Palmen aus Stahl“ verändert hat. Wie schwer es ist, nach Jahren der Obdachlosigkeit wieder im „normalen“ Leben Fuß zu fassen. Wie es sich anfühlt, in zwei Welten zu leben – der Neuen als nicht mehr Obdachloser mit Dusche und Privatsphäre … und dem alten Straßenleben, das immer noch da ist, in seinem Kopf, aber auch in der harten Realität vieler tausender Menschen, die in Deutschland ohne Obdach sind. Dominik Bloh bleibt nicht bei seiner eigenen Geschichte stehen. Er öffnet dem Leser die Augen für das Paralleluniversum, das genau vor seiner Nase existiert, aber meist nicht wahrgenommen wird. Und ganz ohne Klagen und Anprangern macht er klar, was passieren muss, um wirklich etwas zu verändern.
Dienstag, 28.01.2025, 17:00-18:30 Uhr
Diskriminierungserfahrungen migrantisch gelesener Studierender in der Sozialen Arbeit
Derya Şahan, Fachstelle Extremismusdistanzierung Baden Württemberg
In dieser Vorlesung geht es um die Diskriminierungserfahrungen, die migrantisch gelesene Studierende im Kontext der Sozialen Arbeit erleben. Dabei werden sowohl alltägliche Erlebnisse von Diskriminierung durch Adressat:innen und Kolleg:innen thematisiert als auch die strukturellen Hürden, die es erschweren, solchen Diskriminierungen aktiv entgegenzuwirken.
Donnerstag, 06.02.2025, 16:00 -17:30 Uhr
Lebensweltorientierung in der Kita
Renate Thiersch, Universität Tübingen
Das Konzept der Lebensweltorientierung, das in der Sozialpädagogik seit langem etabliert ist, nimmt den Alltag und die Lebenswelt der Kinder, der Familien und der Einrichtungen ernst und leitet daraus Zielvorstellungen und Handlungsorientierungen für die Arbeit der pädagogischen Fachkräfte ab. Der Vortrag zeigt auf, wie bedeutsam das Konzept der Lebensweltorientierung für die frühpädagogische Arbeit ist und welche konkreten Anregungen sich daraus ergeben.
Donnerstag, 20.02.2025, 15:00 Uhr – 16:30 Uhr
Rassismus(-kritik) in der Sozialen Arbeit. Was hat das mit mir zu tun? Chancen und Grenzen rassismuskritischen Handelns.
Qùynh Nhu, Offenbach am Main
Warum ist die Frage ‚woher kommst du eigentlich wirklich‘ ausgrenzend? Warum werden in Deutschland lebende Schweizer*innen nicht als ‚Menschen mit Migrationshintergrund‘ bezeichnet, Marokaner*innen, Vietnames*innen, Türk*innen usw. aber schon? Und wer soll sich eigentlich worin integrieren? Im Rahmen des Seminars wird Rassismus als historisch gewachsene gesellschaftliche Struktur betrachtet, in der die Kategorie ‚race‘ über soziale Positionen innerhalb der Gesellschaft bestimmt. Vor diesem theoretischen Hintergrund sollen genannte Fragen und weitere beleuchtet und diskutiert werden. Ziel ist eine kritisch reflexive Auseinandersetzung mit strukturellem Rassismus, dessen Auswirkungen auf rassifizierte Menschen und der Bedeutung für die Soziale Arbeit.
Der Zweite Teil des Seminars soll eine Möglichkeit bieten gemeinsam ins Gespräch zu kommen, welche Handlungsmöglichkeiten wir als rassifizierte Fachkräfte haben, um mit den Herausforderungen Sozialer Arbeit umzugehen, welche selbst in rassistische Machtverhältnisse verstrickt ist.
Termin wird noch bekannt gegeben, in Englischer Sprache
Authemtic Formative Assesment
Rich Lambert, Cato College of Education, North Carolina
This term was coined by Grant Wiggins in the context of K-12 schooling. It is a measure of intellectual ability that asks for a demonstration of processes of deep learning by means of completing specific authentic tasks. It can also be employed to assess student competencies in the broader educational context. Examples will be provided and options for designing authentic assessments in social work settings will be discussed that foster the acquisition of 21st-century competencies.