Rückblick Anleitungstagungen

Rückblick Anleitungstagung vom 16.10.2019:
„Kinder brauchen Rechte – Für Erwachsene sind sie ebenfalls gut.“

Anleitungstagung zum Thema Kinderrechte

Am 16. Oktober 2019 lud die Fakultät Sozialwesen der DHBW Stuttgart zur zweiten Anleitungstagung des Jahres. Rund 180 Vertreterinnen und Vertreter Dualer Partner waren gekommen, um sich über das Thema „Kinder brauchen Rechte – Für Erwachsene sind sie ebenfalls gut“ zu informieren und auszutauschen.

Im Mittelpunkt der Tagung stand die UN-Kinderrechtskonvention, weil die am 20. November 1989 von der Generalversammlung der Vereinten Nationen beschlossene Konvention auch im Grundgesetz verankert werden soll. Mit der 30 Jahre alten Konvention wurden erstmals Kinder als Subjekte eigenen Rechts in völkerrechtlich verbindlicher Weise anerkannt.

Den Hauptvortrag hielt Dr. Lothar Krappmann. Er war als Sozialisations- und Bildungsforscher 1998 Vorsitzender der Sachverständigenkommission zur Erarbeitung des „10. Kinder- und Jugendberichts“ der Bundesregierung. 2003 wurde er als eines von 18 Mitgliedern in den „UN-Ausschuss für die Rechte des Kindes“ gewählt, der die Einhaltung der Kinderrechtskonvention überwacht und 2007 für weitere vier Jahre in diesem Amt bestätigt. Seither ist er ein vielgefragter Botschafter für die Kinderrechte.

Sein Vortrag machte die historische Entwicklung der Kinderrechte und zähen Bemühungen derer deutlich, die den Kindern einen eigen Stellenwert geben und sie nicht nur unter den Menschrechten subsummiert wissen wollten.

Dass Kinder eigene Bedürfnisse haben, die geschützt werden müssen und auch staatlich zugesicherte Rechte brauchen, sei ein Meilenstein für die Kinderrechtsbewegung, die es schaffte, die Stellung des Kindes als (Rechts-)Subjekt und Träger eigener, unveräußerlicher Grundrechte zu betrachten. Damit sei, so Krappmann, ein Paradigmenwechsel vollzogen worden, der Kinder unabhängiger von Eltern macht und ihre Schutz-, Förder- und Beteiligungsrechte staatlich garantiert. Besonders zentral ist das Thema der Beteiligung. Ihre „Anhörung“ sei von allen Staaten, die die Konvention verabschiedet haben, zu beachten.

Lothar Krappmann hob die Bedeutung der Konvention hervor. Kinder seien nun nicht mehr ausschließlich „Anhängsel“ von erziehungsberechtigten Erwachsenen, auch wenn sie diese brauchen, damit ihnen die Rechte zukommen. Zentrale Achtung erfuhren die kindlichen Grundbedürfnisse, die Möglichkeit der Einmischung (Beschwerde) und das Recht auf Bildung. Im Umgang mit Kindern sei es wichtig, ihre Selbsttätigkeit zu berücksichtigen. Aktuell sollen die Artikel 2, 3, 6, 12 und 19 der Kinderrechtskonvention im Grundgesetz verankert werden. Artikel 2 erfasst das Diskriminierungsverbot, Artikel 3 Abs. 1 verlangt die Festschreibung des Vorrangs des Kindeswohls. Das Wohl des Kindes soll bei allen Gesetzgebungs-, Verwaltungs- und sonstigen Maßnahmen öffentlicher oder privater Einrichtungen vorrangig berücksichtigt werden. Artikel 6 sichert das Recht auf Leben, Überleben und Entwicklung des Kindes zu. Artikel 12 weist auf Partizipation hin. Jedes Kind soll in allen Angelegenheiten, die es betrifft, unmittelbar oder durch eine Vertretung angehört werden. Die Meinung des Kindes muss angemessen und entsprechend seines Alters und seiner Reife berücksichtigt werden. Das Gewaltverbot in der Erziehung ist in Artikel 19 Abs. 1 niedergelegt. Dort heißt es: „Die Vertragsstaaten treffen alle geeigneten Gesetzgebungs-, Verwaltungs-, Sozial- und Bildungsmaßnahmen, um das Kind vor jeder Form körperlicher oder geistiger Gewaltanwendung, Schadenszufügung oder Misshandlung, vor Verwahrlosung oder Vernachlässigung, vor schlechter Behandlung oder Ausbeutung einschließlich des sexuellen Missbrauchs zu schützen, solange es sich in der Obhut der Eltern oder eines Elternteils, eines Vormunds oder anderen gesetzlichen Vertreters oder einer anderen Person befindet, die das Kind betreut.“

Im Anschluss an den Vortrag  gaben in den „Blitzlichtern aus der Praxis“ vier Praxisexpertinnen und Praxisexperten Einblicke in ihr Arbeitsfeld und in die konkrete Umsetzung von Kinderrechten und Kinderbeteiligung.

Frau Cordula Bächle-Walter stellte die Methode des Jugendparlaments in der Evangelischen Jugendhilfe Friedenshort vor.

Für das Jugendamt Stuttgart betonte Ulrike Kieninger die Bedeutung der Partizipation der Kinder- und Jugendlichen für die Kommune Stuttgart. So werden aufgrund eines Gemeinderatsbeschlusses parallel zu Bürgeranhörungen auch immer Kinderforen in den Stadtteilen abgehalten. Besonders wichtig sei, diese ohne konkreten Anlass durchzuführen und somit den Kindern den Raum zu geben, ihre Wünsche und Vorstellungen einzubringen.

Herr Uwe Bodmer, Vorstand des Kinderschutzbundes Stuttgart, legte die Position des Kinderschutzbundes dar und betonte die Bedeutung der Verankerung der Kinderrechte im Grundgesetz. Beate Staatz, Sozialpädagogin beim Kinderschutzbund stellte das Projekt „Kind im Zentrum“ vor, in dem Kinder bei Begleitetem Umgang unterstützt werden.

Zum Download - Blitzlichter aus der Praxis:

Weitere Downloads:

Literaturempfehlung von Dr. Lothar Krappmann:
Stefanie Schmahl: Kinderrechtskonvention. Mit Zusatzprotokollen. Nomos Verlagsgesellschaft (Baden-Baden) 2013. 386 Seiten. ISBN 978-3-8329-7650-7. D: 58,00 EUR, A: 59,70 EUR, CH: 81,90 sFr.

Organisiert wurde die Anleitungstagung von Frau Prof. Dr. Christiane Vetter und Frau Prof. Dr. Anne-Katrin Schührer.

Rückblick Anleitungstagung vom 10. April 2019 "Studieren in vielfältigen Lebenslagen - Herausforderungen für Praxisstellen und Hochschule"

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Zur Meldung

Rückblick Anleitungstagung vom 08. November 2018 "Wie kann gute Anleitung gelingen?"

Anleitungstagung 8.11.2018, Round-Table

Das Thema der Anleitungstagung im Herbst stellte die Anleitung selbst in den Mittelpunkt und fragte danach, wie gute Anleitung gelingen kann.

Zu Beginn der Tagung stellte der Dekan der Fakultät Sozialwesen, Prof. Dr. Stefan Krause, zunächst das neue Studienmodell vor. Dieses gilt seit dem aktuellen Studienjahrgang 2018 (SO18ff.). Die Transferleistungen haben in diesem neuen Modell einen höheren Stellenwert erhalten. Anders als bisher müssen sie bestanden werden, um ein Modul erfolgreich abschließen zu können. Detaillierte Informationen zum neuen Studienmodell finden sich im Modulhandbuch sowie dem Studienverlaufsplan.

In dem einführenden Vortrag „Wissen und Erfahrung – (k)eine komplementäre Beziehung“ zeigte Prof. Dr. Stefan Krause auf, dass gerade das, was wir „gut“ beherrschen sich außerhalb unseres Bewusstseins befindet. Was bedeutet es aber für die Anleitung, wenn ein reflexiver Zugriff auf dieses Wissen nicht möglich ist? Statt expliziter Wissensvermittlung durch Unterweisungen und Erklärungen wäre die Zielsetzung von Anleitung dann

  • dem konfabulierenden Ich zu helfen (Bewusstsein),
  • lernförderliche Situationen herzustellen (Adaption)
  • und den Umbau von deklarativem Wissen in (erfahrungsbasiertes) Handlungswissen zu unterstützen.

Im anschließenden Round-Table-Gespräch wurde der Frage nach der gelingenden Anleitung weiter nachgegangen. Moderiert von Prof. Dr. Rainer Göckler diskutierten zwei erfahrene Anleiter_innen mit Prof. Dr. Matthias Moch und dem Plenum. Wortbeiträge stellten unter anderem fest, dass gelingende Anleitung zwischen zwei Personen entsteht und das Gelingen somit nicht einseitig bestimmt wird. Die These aus dem vorangegangenen Vortrag, dass Lernen mit Emotionen verbunden sei, wurde unterstrichen.

Am Nachmittag wurde sich schließlich in Gruppen mit der jeweiligen Studiengangsleitung über Fragen der Praxisanleitung ausgetauscht.

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Rückblick Anleitungstagung vom 14. März 2018. Wie bekommen wir geeignete Studierende?

v.l.n.r. Shqipe Rexhepi, Prof. Dr. Klaus Grunwald, Prof. Dr. Monika Sagmeister, Prof. Dr. Matthias Moch, Hannah Kubon, Jürgen Bernhardt, Mario Hoppe

Am 14. März 2018 lud die Fakultät Sozialwesen der DHBW Stuttgart zur ersten Anleitungstagung des Jahres. Rund 200 Vertreterinnen und Vertreter Dualer Partner waren gekommen, um sich mit der Professorenschaft, Studierenden und Alumni zum Thema Studierendengewinnung auszutauschen.

Ca. 50 Prozent aller Schulabgängerinnen und Schulabgänger eines Altersjahrgangs erwerben mit dem Schulabschluss eine Hochschulzugangsberechtigung. Darüber hinaus streben viele „Spätberufene“ und Quereinsteigerinnen und Quereinsteiger an die Hochschulen. Entsprechend viele Interessierte bewerben sich auch bei den Einrichtungen auf die Studienrichtungen der Sozialen Arbeit. Auf die Dualen Partner kommt damit jedes Jahr eine entscheidende Aufgabe zu: Wie machen wir unser Studienangebot bekannt? Welche Bewerberinnen und Bewerber wählen wir für das Studium aus? Welche Kriterien haben wir für die Auswahl? Wie gestalten wir ein effektives Auswahlverfahren?

Mit diesen Fragen befasste sich die Anleitungstagung der Fakultät Sozialwesen. Angesprochen waren nicht nur Praxisanleiterinnen und Praxisanleiter, sondern vor allem auch diejenigen Fach-, Verwaltungs- und Führungskräfte in den Einrichtungen, die an den Auswahlverfahren und deren Gestaltung beteiligt sind. Inhaltlich wurden Beispiele für mögliche Auswahlverfahren gegeben. In einer Podiumsdiskussion tauschten Duale Partner, Alumni, Studierende und Vertreterinnen und Vertreter der Fakultät ihre Erfahrungen und Vorschläge aus.

Es gilt, die Personalauswahl in der Sozialen Arbeit so zu gestalten, dass bei den einzustellenden Studierenden möglichst gute Voraussetzungen sowohl für die erfolgreiche Bewältigung des Studiums als auch für eine kompetente Soziale Arbeit in den Einrichtungen gegeben sind. Die Anleitungstagung der Fakultät Sozialwesen war ein Anstoß, die dafür nötige Professionalisierung der Personalauswahl im Interesse der Dualen Partner und der zukünftigen Fachkräfte weiter voranzutreiben. Sie wurde gestaltet von Prof. Dr. Klaus Grunwald, Prof. Dr. Matthias Moch und Prof. Dr. Monika Sagmeister.

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Archiv Anleitertagungen

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