Herr Prof. Weber, das neuartige Coronavirus hat die Welt in kürzester Zeit verändert. Welche Herausforderungen ergeben sich für die DHBW Stuttgart?

Durch die kurzfristig verfügte Aussetzung des Präsenzbetriebs vor Ort waren wir gezwungen, den laufenden Lehr- und Prüfungsbetrieb in Stuttgart und in Horb a. N. innerhalb kürzester Zeit in einem bislang nicht gekannten Ausmaß umzustellen.

Insbesondere die Studiengangsleitungen sind hierbei extrem herausgefordert, alternative Wege zu finden, um den Studierenden in über 300 Kursgruppen die erforderlichen Lehrinhalte thematisch und zeitlich angemessen zu vermitteln sowie die entsprechend notwendigen Modulprüfungen zu ermöglichen.

Gleichzeitig mussten wir für mehrere Hundert Kolleginnen und Kollegen aus Hochschulverwaltung, Servicebereichen und wissenschaftlichen Einrichtungen mehr oder weniger spontan den Wechsel ins Homeoffice organisatorisch und technisch umsetzen, bei gleichzeitiger Gewährleistung eines Rumpfbetriebs vor Ort in Stuttgart und Horb.

Besonders stark herausgefordert sind derzeit naturgemäß das IT.Service Center und das Education Support Center (ESC). Dank deren eindrucksvoller Unterstützung wurden bislang viele kreative Lösungen gefunden und umgesetzt, um den Vorlesungs- und Prüfungsbetrieb in den Theoriephasen sowie auch den Verwaltungsbetrieb in Horb und Stuttgart aufrecht zu erhalten.


Welche Botschaft haben Sie für die Studierenden?

In vielen Telefon- und Videokonferenzen mit allen an der DHBW Stuttgart Aktiven, mit Rektoraten der anderen DHBW-Standorte und mit dem DHBW-Präsidium versuchen wir, situativ bestmögliche Lösungen für unsere Studierenden und auch für die Dualen Partner zu finden. Auf viele Fragen, die unter den Nägeln brennen, haben wir im Moment noch keine präzise Antwort. Wir sind intensiv damit befasst, in allen Bereichen pragmatisch auf sich stetig ändernde Situationen zu reagieren und den Studierenden dadurch eine weitestgehend nahtlose Weiterführung des Studiums zu ermöglichen; für den Studienjahrgang 2017 streben wir nach wie vor einen plangemäßen Abschluss auf den 30.09.2020 an. Was wir auf jeden Fall zusichern können ist, dass alle ihr Studium an der DHBW Stuttgart wie gewohnt mit 210 ECTS-Punkten abschließen können.

Die aktuelle Situation ist eine große Herausforderung: Sowohl von unseren Studierenden als auch von den bei uns in Studienbetrieb und Verwaltung Tätigen erfordert sie eine enorme Offenheit und Flexibilität für ungewöhnliche organisatorische Konzepte sowie für die Anwendung digitaler Tools. Die Studierenden arbeiten jetzt also gemeinsam mit uns an einer Art experimentellem „Reallabor-Projekt“ zu Möglichkeiten und Grenzen der Digitalisierung von Hochschulen, insbesondere der strukturell einzigartigen DHBW.


Was ändert sich für die Beschäftigten?

Wie bereits erwähnt arbeiten fast alle unserer Beschäftigten mittlerweile im Homeoffice. Mir ist bewusst, dass es nicht immer einfach ist, nun plötzlich alle Aufgaben von zu Hause zu erledigen – vor allem auch für die Kolleginnen und Kollegen, die nebenher noch ihre Kinder betreuen müssen. Zudem arbeiten möglicherweise nunmehr auch die jeweiligen Lebenspartnerinnen und Lebenspartner im Homeoffice. Man kann sich gegenseitig also gegebenenfalls aus einer bislang ungewohnten Perspektive kennenlernen.

Ich bin davon überzeugt, dass sich auch hier schnell neue Routinen und Prozesse etablieren werden, die es uns möglich machen, mit gewohnter Effektivität und Effizienz zusammenzuarbeiten. In Analogie zu den Studierenden gilt auch hier: Wir erleben gegenwärtig die Möglichkeiten und Grenzen der Telearbeit in der praktischen Umsetzung ganz persönlich. Dies trägt sicherlich zu einer erfahrungsbasierten sachlichen Diskussion über „Telearbeit“ und „Homeoffice“ bei.


Sehen Sie in der aktuellen Situation auch Chancen für die DHBW Stuttgart?

Es ist beeindruckend, jedoch nicht überraschend, wie schnell eine Organisation wie unsere DHBW Stuttgart zu reagieren und sich situativ anzupassen vermag. Insbesondere die Digitalisierung in Lehre und Verwaltung wird nun in einem atemberaubenden Tempo nahezu vollumfänglich umgesetzt.

Wir mussten uns also mehr oder weniger spontan von einer „Präsenzhochschule“ zu einer „Online-Hochschule“ wandeln. Dies stellt für alle Mitglieder der Hochschule eine – hoffentlich - einmalige Herausforderung dar. Wir lernen dabei gerade rasch alle unsere Stärken und Schwächen aus verschiedenen Perspektiven kennen: Studieren und Arbeiten von zu Hause aus erfordert mitunter eine ganz andere Studien- und Arbeitsorganisation, um Effektivität, Effizienz und (Arbeits-) Zufriedenheit zu erreichen.

Ich sehe also in der Tat eine Chance für die Zeit nach der Coronakrise: Wir gewinnen jetzt eine Vielzahl realer Erfahrungen, die meines Erachtens von unschätzbarem Wert für die strategisch-konzeptionelle und organisatorische Ausrichtung der DHBW sind.

Die aktuelle Zeit stellt meines Erachtens aber auch eine wichtige Zäsur für uns alle dar: Wir mussten erfahren, dass es offensichtlich doch möglich ist, unsere tägliche Hektik zu verlangsamen oder gar zu stoppen. Ich lade Sie alle ein, etwas innezuhalten, und ganz bewusst über die wesentlichen Dinge im Leben nachzudenken.

In diesem Sinne wünsche ich allen Mitgliedern unserer DHBW Stuttgart das unverzichtbare Maß an Zuversicht, Gesundheit und Wohlergehen.

 

Die Fragen stellte die Hochschulkommunikation.