Datenbrille auf: Zukunftstechnologie wird greifbar
Wie fühlt es sich an, wenn komplexe Arbeits- und Lernprozesse plötzlich immersiv werden? Wer bei den XR FACHTAGEN im Steinbeis-Haus in Stuttgart eine moderne VR-Brille aufsetzte, tauchte augenblicklich in virtuelle Produktionshallen oder Schulungsszenarien ein. Anhand spürbarer Widerstände durch haptische Datenhandschuhe zeigte sich unmittelbar, wie Extended Reality (XR) Montage- und Wartungsprozesse verändert. Die Fachtagung, gemeinsam ausgerichtet vom Steinbeis-Transferzentrum Digital Workspace, der Steinbeis GmbH & Co. KG sowie der DHBW Stuttgart und dem Campus Horb, widmete sich dabei der Frage, wo XR heute schon echten Mehrwert in Industrie, Verwaltung und Lehre schafft.
Praxisnahe Use Cases statt Laborprototypen
Dass XR die Phase reiner Experimente verlassen hat, belegten konkrete Praxisanwendungen renommierter Branchenexpert*innen. In der Fertigung ermöglichen VR-gestützte Bewegungsanalysen, ergonomische Montageabläufe präzise am virtuellen Modell abzustimmen, bevor eine reale Fertigungslinie entsteht. Im Automobilbau lassen neuartige Haptik-Systeme Designer und Ingenieurteams Fahrzeugkomponenten dreidimensional und fühlbar testen. Gleichzeitig eröffnen immersive Formate in der Aus- und Weiterbildung völlig neue Wege – von skalierten Trainingsprogrammen mit tausenden VR-Brillen bis hin zu bewegungstherapeutischen VR-Anwendungen, die das Sturzrisiko am Arbeitsplatz senken.
Intelligente Assistenz und gelebter Technologietransfer
Besondere Aufmerksamkeit galt der Verbindung von XR mit Künstlicher Intelligenz: Smarte Brillen blenden Fachkräften relevante Reparaturhinweise in Echtzeit ins Blickfeld ein und prüfen Arbeitsschritte automatisiert. Diskutiert wurden dabei auch die organisatorischen Hürden beim Rollout im Betrieb, Datenschutzfragen sowie die Frage, wie Mitarbeitende frühzeitig mitgenommen werden können. Begleitend bot die Fachausstellung mit über 20 Technologieunternehmen reichlich Gelegenheit, neue Hardware und Software direkt zu erproben und Kontakte zu knüpfen.
Für Studierende und Partnerunternehmen der DHBW Stuttgart und des Campus Horb unterstreicht die Tagung den direkten Praxisbezug des dualen Modells. Wie Prof. Dr.-Ing. Harald Mandel, Dekan der Fakultät Technik und Prorektor für Forschung, Transfer und Nachhaltigkeit, sowie Prof. Dr.-Ing. Tim Jansen, Studiengangsleiter Maschinenbau am Campus Horb und Leiter des STZ Digital Workspace, hervorhoben, fließen diese Innovationen unmittelbar in Lehre und Studienprojekte ein.
Die XR FACHTAGE machten einmal mehr deutlich: Wenn Hochschule und Wirtschaft auf Augenhöhe zusammenarbeiten, wird Zukunft nicht nur diskutiert, sondern aktiv gestaltet.