15. ZEF-Forschungskolloquium der DHBW Stuttgart: Vertrauen und Akzeptanz in KI-Systeme
Stuttgart, 18.06.2026 – Studierende der DHBW Stuttgart stellten am 18. Juni 2026 im Rahmen des 15. Forschungskolloquiums des Zentrums für Empirische Forschung (ZEF) aktuelle Forschungsergebnisse zum Thema „KI in Smart Cities: Wie künstliche Intelligenz unser Denken und unsere Fähigkeiten verändert“ vor. In ihren Studien fokussierten sie sich auf die bisher nur wenig erforschten menschlichen Faktoren wie Akzeptanz, Kompetenzentwicklung und emotionale Reaktionen auf KI-Systeme. Abgerundet wurde die Veranstaltung auf dem Bildungscampus Heilbronn durch Vorträge von Vertreter*innen aus der Praxis.
Wie nehmen Bürger*innen KI-gesteuerte Smart-City-Lösungen wahr? Werden diese akzeptiert? In den CITAI (Citizen Trust in AI Innovations) Mobility- und Living-Reallaboren der DHBW Stuttgart wurde dies von über 100 Studierenden unter realitätsnahen Bedingungen empirisch untersucht. Im Fokus standen drei Anwendungsfelder: die Akzeptanz KI-gestützter Retail-Lösungen, die Transformation von Fähigkeiten im Kontext des autonomen Fahrens sowie emotionale Reaktionen auf KI-basiertes Pricing. An den vier Studien nahmen insgesamt über 800 Personen teil.
Prof. Dr. Marc Kuhn, wissenschaftlicher Leiter des ZEF: „Unsere Studien zeigen, dass KI dann akzeptiert wird, wenn Menschen das Gefühl behalten, die Kontrolle zu haben. Personalisierung, Transparenz und gezieltes Feedback sind keine Nice-to-haves. Sie sind die Grundvoraussetzung dafür, dass Bürgerinnen und Bürger KI-Systemen vertrauen und diese dauerhaft nutzen."
Die Studien im Überblick:
Individuelle Rezeptvorschläge: Personalisierung steigert Wohlbefinden
In den ersten beiden Studien erhielten die Proband*innen individuelle Rezeptvorschläge von einer generativen KI. Dafür wertete die KI zuvor ausgefüllte Fragebögen aus. Während des Versuchs konnten die Teilnehmenden den Personalisierungsgrad zusätzlich steigern, indem sie weitere Lebensmittel auswählten, die ihren persönlichen Vorlieben am stärksten entsprachen.
Autonomes Fahren: Akustisches Feedback erhöht Vertrauen
Die dritte Studie fragte, was hochautomatisiertes Fahren mit menschlichen Fähigkeiten macht: Wie gut können Personen Verkehrssituationen und neue Informationen erkennen, während das Fahrzeug selbst steuert? Dazu mussten die Teilnehmenden während der Fahrt zwei Aufgaben gleichzeitig bewältigen. Während im ersten Versuchsaufbau ein akustisches Feedback richtige und falsche Lösungen signalisierte, fehlte dieses Feedback beim zweiten Durchgang.
AI trifft EEG: Positive Preisbewertung verstärkt Nutzungsabsicht
In der vierten Studie wurden die Teilnehmenden mit KI-generierten, sozial gestaffelten Preisen für ein Mobilitätsangebot konfrontiert – und ihre Gehirnaktivität dabei per EEG gemessen. Wie reagieren die Proband*innen auf die Vorschläge der KI?
Die Ergebnisse der Studien
Alle Studien zeigen, dass Menschen die Zusammenarbeit als echte Kollaboration erlebten, wenn sie die KI als auf sich zugeschnitten wahrnahmen. Die Bereitschaft, das System künftig wieder zu nutzen, steigerte sich in dem Maß, in dem das subjektive Wohlbefinden zunahm.
Personalisierung stärkt zudem das Gefühl, die Kontrolle zu behalten – und dieses Kontrollgefühl ist der Schlüssel zu Vertrauen in das System und zur Nutzungsabsicht.
Im Bereich des autonomen Fahrens wird dieses Vertrauen insbesondere durch akustische Feedbacks bei Fehlern aufgebaut: Erhielten die Proband*innen keinen Ton, sank sowohl emotionales als auch rationales Vertrauen nach der Fahrt signifikant.
Ein gefühlter Kontrollverlust führte auch bei den Teilnehmenden der vierten Studie zu Ablehnung: KI-generierte, sozial gestaffelte Preise für ein Busticket akzeptierten sie nur, wenn sie den vorgeschlagenen Preis als positiv, fair und transparent bewerteten.
Praktische Empfehlungen für den Einsatz von KI
Aus diesen Befunden leiten die Forschenden konkrete Empfehlungen ab:
- KI-Systeme sollten ihre Entscheidungen erklären und Nutzenden die Wahl lassen, wo die KI eingreift.
- Feedback-Mechanismen – etwa Töne oder Leistungs-Dashboards nach einer Fahrt – helfen dabei, Selbstwahrnehmung und Realleistung in Einklang zu bringen.
- Für automatisierte Fahrzeuge werden regulatorische Mindeststandards für Warnsysteme empfohlen, ebenso eine Integration dieser Erkenntnisse in die Fahrausbildung.
- Bei KI-gestützter Preisgestaltung braucht es transparente Kommunikation über Datennutzung und soziale Differenzierung – nur so entsteht das Vertrauen, das Akzeptanz erst möglich macht.
Vorträge aus der Praxis
Abgerundet wurde die Veranstaltung durch Vorträge von Vertreter*innen aus der Praxis: Die Themen reichten von der Mensch-Maschine-Interaktion über die Chancen der Transformation hin zum autonomen Fahren bis zu Einblicken in die digitalen Strategien zur Verbesserung von Lebensqualität in Städten.
Gefördert wurde die Veranstaltung durch die Dieter Schwarz Stiftung.
Ansprechperson für Medienvertreter*innen:
Prof. Dr. Marc Kuhn
Wissenschaftliche Leitung des Zentrums für Empirische Forschung (ZEF) / Studiengangsleiter BWL-Digital Business Management | DHBW Stuttgart
Tel.: 0711/1849-745
E-Mail: marc.kuhn@dhbw-stuttgart.de