Innovativer Geist
Der BA-Absolvent Joachim Mathes bei Valeo

Portrait Joachim Mathes

Die Valeo-Entwicklungen im Bereich Park- und Fahrerassistenz-Systeme, den Joachim Mathes verantwortet, wurden in den letzten Jahren mit insgesamt drei PACE Awards ausgezeichnet. Valeo ist ein französischer Automobilzulieferer, der weltweit über 50.000 Mitarbeiter beschäftigt, davon auch einige hundert in einem Entwicklungszentrum in Bietigheim, nicht weit von Stuttgart.

Der PACE Award, sozusagen der „Oscar“ der Automobilindustrie, ist ein renommierter Preis, der seit 15 Jahren von der Zeitschrift Automotive News für innovative technologische Entwicklungen an Zulieferer im Bereich Automotive verliehen wird. Der jüngste Spross, den das Team von Mathes in Serie gebracht hat, ist das „Park4U“-System. Erstmals plant und agiert das Fahrzeug hier autonom, indem Park4U auf Basis von Daten über die Fahrzeugbewegung, die Vermessung des Umfelds und die Auswertung der Fahrerabsicht die Querführung des Fahrzeugs übernimmt. Auf diese Weise  ermöglicht es ein halbautomatisches Einparken, bei dem der Fahrer nur noch Bremse und Gaspedal bedienen muss; das Lenken geschieht automatisch. Das war den Preisrichtern im letzten Jahr einen PACE Award wert.

Kaufen kann man das bereits in verschiedenen VW-Modellen von Golf bis Passat, aber auch bei Audi und Skoda wird diese interessante Option angeboten. Lancia setzt Park4U im neuen Delta ein, und auch in USA geht das System gerade bei verschiedenen Ford-Modellen in Serie.
Die Ingenieure von Valeo arbeiten an vielen weiteren Fahrzeugen bei internationalen Kunden.

Weitere Preisträger-Innovationen, an denen Mathes beteiligt war, wurden in Form von Technologiepartnerschaften realisiert, so etablierte er im Jahr 2001 eine Kooperation mit Iteris, die 2004 zum ersten Serieneinsatz eines Fahrspurerkennungssystems im Pkw-Bereich führte. Der damit verbundene Sicherheitsgewinn überzeugte 2005 die Jury, diese Innovation mit einem PACE Award auszuzeichnen.

Um Hightech aus dem Luftfahrt-Bereich auch für die automobilen Anwendungen verfügbar zu machen, gründete das Team um Mathes im Jahr 2002 ein Joint Venture mit dem Großkonzern Raytheon aus dem in Folge der erste 24GHz Multibeam-Radarsensor für das Fahrzeug entstand. Dieses Produkt ging 2007 bei General Motors in USA und bei Jaguar in Europa in Form einer Totwinkelüberwachung in Serie. Noch im selben Jahr wurde auch diese technische Neuerung mit einem PACE Award für Valeo honoriert. Die Firma Ford zeigt gerade, welches Potential in dem Sensor steckt, indem er auch beim Ausparken eingesetzt wird und dabei den rückwärtigen Bereich überwacht. Die praktische Funktion, die die Entwickler von Mathes durch zusätzliche Software realisiert haben, nennt sich „Cross Traffic Alert“ und wird sich besonders vor den großen Einkaufszentren täglich bewähren.

Ausgangspunkt für Mathes’ Karriere war ein Studium der Elektrotechnik an der Berufsakademie Stuttgart. 1989 trat er in die Sensorentwicklung der damaligen SWF Auto-Electric in Bietigheim ein. Dort arbeitete er an verschiedenen Entwicklungen im Bereich Motormanagement-Sensorik mit, bevor er Systemingenieur für Parkhilfesysteme wurde und 1995 ins Projektmanagement wechselte. Viele Kundenkontakte führten ihn in die ganze Welt. Drei Jahre später wurde die Firma ITT/SWF von Valeo übernommen. Mathes wurde dort die Leitung des Projektmanagements für die Division „Schalter und Sensoren“ übertragen. Im Jahr 2000 wurden die „Schalter und Detektionssysteme“ in einen eigenständigen Geschäftsbereich eingegliedert. Mathes übernahm damit die weltweite Verantwortung für Entwicklung und Produktmarketing. Seit 2007 ist er Leiter der Domain „Fahrerassistenz“ bei Valeo und berichtet in dieser Funktion an den Entwicklungsvorstand der Valeo Gruppe.