Prof. Dr. Klaus Grunwald

Das Konzept Lebensweltorientierte Soziale Arbeit

Die Rede von Lebenswelt und Orientierung an der Lebenswelt ist in der sozialen und pädagogischen Arbeit ubiquitär. Unterschiedlichste Programme meinen sich als lebensweltorientiert ausgeben zu können, Lebensweltorientierung sei das, was man sowieso tue. Andere Programme verweisen auf ihre lebensweltliche Komponente; neben den – wie es heißt – streng methodischen Konzepten arbeite man natürlich lebensweltorientiert, es sei dem gesunden Menschenverstand geschuldet, dass man alltagsnah agiere.

Solchem diffusen und banalisierenden Reden von Lebenswelt und Lebensweltorientierung gegenüber ist es notwendig, darauf zu insistieren, dass Lebensweltorientierung ein sozialpolitisch und pädagogisch ausgewiesenes Theoriekonzept der Sozialen Arbeit ist, das eine spezifische Sicht auf Lebensprobleme mit institutionellen und professionellen Konsequenzen verbindet. Die Grundlage des Konzepts besteht in interaktionistischen und gesellschaftstheoretischen Ansätzen, die mit der Traditionslinie einer hermeneutisch-pragmatischen Pädagogik verbunden werden. Entscheidend ist dabei der kritische Blick auf Institutionen und Strukturen heutiger Sozialer Arbeit und ihnen entsprechenden Mustern der Professionalisierung sozialarbeiterischen Handelns. Ziel des Konzepts ist die Entwicklung von und Arbeit an professionellen und institutionellen Perspektiven Sozialer Arbeit, die den Menschen in ihren heutigen Lebensverhältnissen gerecht werden.

Der Beitrag stellt zunächst einige zentrale Prinzipien des Konzepts einer Lebensweltorientierten Sozialen Arbeit dar und widmet sich auf dieser Grundlage Forschungszugängen und -themen, die diesem Konzept gerecht werden.

 

Grunwald, K./Thiersch, H.:
Das Konzept Lebensweltorientierte Soziale Arbeit, in: Bock, K./Miethe, I.: Handbuch Qualitative Methoden in der Sozialen Arbeit, Opladen 2010, S. 101-112 

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